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Der Drogenbeauftragte der BBS Wirtschaft


  
Leider geraten jährlich tausende Jugendliche in den "Teufelskreis" der Drogen und merken irgendwann, dass der Ausstieg aus der schwierigen Situation oft nicht gemeistert werden kann. An der BBS Wirtschaft sind Jugendliche mit Drogenproblemen nicht alleine. Herr Horf, der Drogenbeauftragte unserer Schule, hat im folgenden Interview zum Thema Stellung genommen.


1. Bitte stellen Sie sich kurz vor (Name, Tätigkeitsbereich, Kinder...)!
Günter Horf, verh., drei Kinder, aus dem Saarland emigriert, seit 1990/91 an der BBSW als Lehrer für Religion, Medienwart für die audiovisuellen Geräte, Drogenbeauftragter an der Schule.

2. Seit wann sind Sie Beratungslehrer?
Seit ungefähr 1994.

3. Wie sieht Ihr Aufgabenfeld aus? Mit welchen Problemen kann man sich an Sie wenden?
Drogenpräventive Maßnahmen, die sinnvollerweise in den Klassen im Rahmen des Unterrichts erfolgen, werden ergänzt durch Besuche von Therapie- und Rehabilitationszentren, z.B. Tholey (Drogen), Daun (Alkohol). Natürlich geht es in erster Linie um den konkreten Suchtmittelmissbrauch, darüber hinaus aber um die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten: schulische Anforderungen, Probleme zu Hause, Verschuldung, Freundeskreis im Drogenmilieu. Wo notwendig oder erwünscht werden auch die Eltern in die Gespräche mit eingebunden und beraten. Wichtig dabei ist die vertrauliche Basis der Beratung.

In all dem Bemühen geht es letztlich um Perspektiven und Alternativen, die ein weiteres Abgleiten verhindern und Wege aus der Sucht einleiten sollen. Das geht verständlicherweise nur, wenn der Wille zur Mitarbeit beim Konsumenten vorhanden ist. Deshalb ist es ein besonderes Ziel der Gespräche, konkrete Schritte in Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle "Die Tür" und dem psychosozialen Dienst der Caritas anzubahnen.

4. Gibt es einen "Fall", der Sie als Vertrauenslehrer besonders berührt hat?
Eigentlich ist es jeder Fall, denn meist wird ein Suchtproblem erst zum Gespräch gebracht, wenn schwerwiegende schulische Probleme auftauchen und eine 'Offenbarung' unumgänglich ist. Und da stimmt es schon sehr traurig zu sehen, welcher Möglichkeiten sich ein junger Mensch beraubt, weil Drogenkonsum und -beschaffung zur zentralen Alltagsbeschäftigung werden und alles andere, wenn überhaupt, dann nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Manchmal werde ich nach dem Erfolg der Beratungstätigkeit gefragt: Wenn nur ein einziger Jugendlicher durch Prävention die Finger von den Rauschmitteln lässt, dann war der Einsatz nicht umsonst.

5. Glauben Sie, dass Gewalt und Drogen große Themen an unserer Schule sind?
Mit 'Thema' ist zuerst wohl eher gemeint, ob Drogen ein besonderes Problem unserer Schule sind. Dazu ist erst einmal zu sagen, dass es nicht mehr oder weniger ein Problem ist als in der gesamtgesellschaftlichen Alltagswelt Jugendlicher. Natürlich verdichtet sich das Problem Drogen oder Suchtmittelkonsum allgemein an Orten, die vorwiegend von jungen Menschen besucht werden. Immerhin sind an unserer Schule über zweieinhalbtausend Jugendliche und junge Erwachsene im Unterricht zusammen. Während die Suchtmittelproblematik im Berufsschulbereich wegen der kurzen Verweildauer in der Schule und der damit verbundenen Anonymität nicht so recht deutlich wird, ist sie im Bereich der Wahlschulen wesentlich häufiger erfahrbar. Dankbar bin ich für die Mitarbeit von Kolleginnen und Kollegen, die sich in diesem Bereich mit sorgen und engagieren, denn ohne breiter getragene Verantwortung kann eine einzelne Person allein aus Zeitgründen heraus diesem ehrenamtlichen Einsatz nicht gerecht werden.

Und da wären wir bei einem zweiten Aspekt der Frage ‚Sucht - ein Thema an unserer Schule?‘ Wir müssen uns in Zukunft diesem Problemkreis noch intensiver stellen und uns alle in die Pflicht zur Aufklärung und Prävention nehmen. Besonders uns als Lehrkräften ist ein Vorbildverhalten im Suchtmittelkonsum aufgegeben. Auch eine Wegschau-Mentalität oder ein stillschweigendes Dulden von Konsum ist nicht zu verantworten. Besonders bedenklich stimmt der zum Teil extrem hohe Alkoholkonsum Jugendlicher, der nachgewiesenermaßen die Einstiegsdroge Nummer eins ist. Beschleunigt wird diese Entwicklung durch den neuen Markt der bunten Alcopops, die gezielt für ein jüngeres, d.h. minderjähriges Publikum als die Innovation der Getränkeindustrie herausgestellt werden.

6. Hat sich die Jugend während der letzten Jahrzehnte negativ entwickelt?
"Die Jugend ist immer so gut, wie die Alten sie erzogen haben!" - Demnach wäre also die Frage den Erwachsenen zu stellen, was sie den Jugendlichen nicht mitgegeben haben, wenn sie schon etwas an ihnen auszusetzen haben.

Zweifellos hat sich unser Lebensalltag in der jüngeren Vergangenheit immer mehr 'verkompliziert' und die Lebensbewältigung, besonders für die heranwachsenden Menschen, kann so zur Überforderung werden, der man allzu leicht entfliehen möchte. Junge Menschen sind heute immer mehr auf sich allein gestellt, mit diesen Herausforderungen der Lebensbewältigung klarzukommen. Halt und Stütze funktionierender Familienstrukturen gehen immer mehr verloren und Selbstsicherheit bzw. Selbstwertgefühl sind da ein Fremdwort, wenn es um die Selbstständigkeit eines jungen Menschen geht. Um so bewundernswerter ist es zu erleben, wie dennoch viele Jugendliche sich den Aufgaben stellen und sie mit Energie zu bewältigen suchen und nicht dem Vorurteil einer jungen Spaßgesellschaft entsprechen.

Andererseits sind auch Tendenzen zu sehen, sich mit möglichst wenig Aufwand durchzumogeln und Verantwortung und Einsatz andere tragen zu lassen. Wer unter Schülern für Engagement zur Organisation von Aktivitäten wirbt, hat so seine Probleme. Private Interessen sind wichtiger. Dies ist nicht neu, scheint aber heute häufiger spürbar zu werden. Und dies ist nicht nur ein Problem, das die Jugend betrifft.

7. Persönlicher Aufruf an die Schüler!
- Auf die eigenen Stärken bauen, nicht auf das Glück aus zweiter Hand!
- Sich nicht der Illusion hingeben, sich selbst aus der Sucht befreien zu können oder den    Drogenkonsum im Griff zu haben, meist ist es umgekehrt.
- Mitarbeit am Problem Drogen und Suchtmittel über die SV.
- Es gibt keine 'weichen' Drogen, nur weiche Hirne danach!



Christina Räffle (Schülerin Wg)