Manager im Klassenraum
Ein Artikel aus dem Trierischen Volksfreund
Vom Vorstand über Marketing bis zur Produktion: Die Mitarbeiter des Junior-Unternehmens Arivo11 der
Berufsbildenden Schule für Wirtschaft mit ihrem Produkt, dem individuell gestaltbaren Schulordner.
Ein Klassenraum an der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Trier wird jeden Mittwoch zum Besprechungsraum, wenn Arivo11 zusammentrifft.
So heißt das Unternehmen, das zehn Zwölftklässler des Wirtschaftsgymnasiums und ein Schüler der Höheren Berufsfachschule
für Wirtschaft gegründet haben. Schüler als Unternehmer? Möglich macht das das Junior-Projekt des Instituts für
deutsche Wirtschaft Köln.
Die Geschäftsidee: Schulordner, innen wie außen individuell gestaltet. Rund fünf Euro kostet der Ordner - je nach Ausstattung.
Zu der gehören zum Beispiel Halterungen für Stifte, Taschenrechner, USB-Stick und Geodreieck. Im Internet-Shop kann jeder seinen Wunschordner bestellen.
"Wir können hier mal selbst erleben, wie ein Unternehmen funktioniert", sagt Stefan Zimmer, Vorstand von Arivo11. Sechs bis acht Stunden pro
Woche investiert jeder neben der Schule. Das ist nicht nur Praxisbezug, sondern fördert Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Eigeninitiative. "Man lernt,
wie man mit Leuten umgeht", sagt Arrigo Batton, bei Arivo11 zuständig fürs Marketing, "und dass man erst selbst seine Arbeit macht und dann die der anderen bewertet."
Das Unternehmen ist angelehnt an eine Aktiengesellschaft. Die Schüler verkaufen Anteilsscheine zu je zehn Euro. Rund 80 sind sie schon los geworden - unter anderem
an Sozialministerin Malu Dreyer, Bischof Stephan Ackermann sowie Jean-Claude Juncker. Auch der TV ist als Wirtschaftspate und Anteilseigner dabei.
Die Schüler kümmern sich selbst um Produktion, Marketing und Buchführung und zahlen Sozialabgaben in geringer Höhe an die Junior-Geschäftsstelle,
die die Rolle des Staates einnimmt. Zu Beginn haben sie die Chancen ihres Produktes am Markt getestet. "Jetzt laufen wir durch die Klassen. Die ersten Bestellungen sind schon
eingegangen", erzählt Stefan Zimmer.
Gegen Ende des Schuljahres tritt Arivo11 gegen rund 35 Junior-Konkurrenten in Rheinland-Pfalz an. Es winken der Bundesentscheid und danach der europäische Wettbewerb.
Vielleicht treten sie ja in die Fußstapfen von "Sneecs", ebenfalls ein BBS-Schüler-Unternehmen, das vor einigen Jahren mit bedruckten Schnürsenkeln Bundessieger wurde.
Die Erlöse ihres Unternehmens möchten die Nachwuchs-Unternehmer an gemeinnützige Einrichtungen spenden. Selbst profitieren sie auch: Alle erhalten ein Zertifikat,
das sich gut im Lebenslauf macht.
Vielleicht werden dann ja aus Schüler-Unternehmern in einigen Jahren "richtige" Unternehmer.
Julia Kalck
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